History
History of Austrian Economics
Kurzabriss der Entwicklung
Historische Wurzeln und Entwicklung
Die österreichische Schule der Nationalökonomie geht nach Prof. Jésus Huerta de Soto auf spanische Wurzeln zurück. Sie wurde von Carl Menger in Wien begründet und in der sog. „ersten Generation“ von Friedrich von Wieser und Eugen von Böhm-Bawerk weiterentwickelt (Alte österreichische Schule). Später zählten Ludwig von Mises mit Joseph Alois Schumpeter dann zur zweiten Generation, Friedrich August von Hayek zur dritten. Die vierte Generation ist im wesentlichen jenseits des Atlantik anzutreffen, zu ihren Vertretern zählen u.a. Israel Kirzner und Murray Rothbard. Aktuelle Vertreter sind unter anderem Jésus Huerto de Soto, Guido Hülsmann oder Hans Hermann Hoppe.
Gemeinsame Ansätze und Lehren
Die österreichische Schule der Nationalökonomie ist eine „marginalistische Schule“ indem von Carl Menger etwa um die selbe Zeit wie Léon Walras die sog. „Marginalistische Revolution“ eingeleitet wurde. Sie ist eine Theorie der Marktprozesse und richtet sich gegen die statische Betrachtungsweise der Neoklassik und betont die Bedeutung „verstreuten Wissens“. Der Kern der österreichischen Methodologie ist der Apriorismus und ein ausgeprägter Subjektivismus. Die Ökonometrie zur Erklärung sozialer Phänomene wird daher weitgehend abgelehnt, genauso wie eine gewisse Aversion gegen einen übertriebenen mathematischen Formalismus konstatiert werden kann. Schließlich ist vor allem die Betonung von Unsicherheit sowie die Würdigung des Unternehmertums und eine liberale wirtschaftspolitische Einstellung von großer Bedeutung. Man schuf durch die Betonung des „subjektiven« Charakters wirtschaftlicher Werte“, ein neues Paradigma zur Erklärung von Ordnungen, die ungeplant aus menschlicher Interaktion entstehen. Die Österreichische Schule wurde lange wegen ihrer weitgehenden Ablehnung mathematischer Methoden und ihrer Freiheitsliebe als unwissenschaftliche Ideologie abgetan und durch die aufstrebende Makroökonomik in den Schatten gestellt. Sie überlebte viele Jahre in den Vereinigten Staaten am Ludwig-von-Mises-Institut und erlebt vor allem im Osten Europas ein Come-Back.
Dritte und vierte Generation
In der dritten und vierten Generation wurde der zuvor realwirtschaftliche Ansatz um den monetären Aspekt erweitert. So wurde die Nicht-Neutralität des Geldes und eine apriorische Begründung der Ökonomie als Sozialwissenschaft begangen. Weiterhin wurde die Überlegenheit einer liberalen politischen und wirtschaftlichen Ordnung aus den Grundelementen der österreichischen Theorie abgeleitet. In dieser Zeit konnte sich Ludwig von Mises als Informeller Führer etablieren, indem er die sog. austroliberale Bewegung Bewegung etabliere indem er der Tradition von Menger und Böhm-Bawerk treu blieb. Friedrich August von Hayek, Gottfried Haberler, Fritz Machlup, Richard Strigel, Erich Schiff und Martha Stephanie Braun folgten dieser Richtung.
Das dies nicht unumstritten war zeigte die zweite Hauptströmung dieser Zeit, indem man sich auf Wieser berief und sich skeptisch gegenüber dem Liberalismus zeigte. : Hans Mayer, der einzige Lehrstuhlinhaber der Österreicher und seine Assistenten Morgenstern und Paul Rosenstein-Rodan verfolgten diesen Strang der österreichischen Tradition. Innerhalb dieser beiden Strömungen gab es auch Kontroversen, wie beispielsweise die Werttheorie. Etwa 1930 hatte die Mises-Gruppe den Zenit in ihrem Ansehen erreicht. Bereits 1928 blieb der Mises-Ansatz über die Theorie des Geldes und der Konjunktur auf der Tagung des Vereins für Socialpolitik weitgehend unwidersprochen. 1931 wurde zudem Friedrich August von Hayek an die London School of Economics berufen und es bildete sich ein informeller und interdisziplinärer Kreis (der „Geist-Kreis”; Mises Privatseminar) und die Seminare der Nationalökonomischen Gesellschaft unter Finanzierung der Rockefeller Foundation.
Kurzer Überblick über wichtige Vertreter der Österreichischen Schule
Carl Menger (1840–1921)
- Betonung des Subjektivismus, der Dynamik und der Unsicherheit
- Hauptwerk (1871): Preistheorie
- formuliert eine subjektive Wertlehre
- Rolle der Zeit hat hohen Stellenwert
- Beteiligung am Methodenstreit
Friedrich von Wieser (1851-1926)
- Verbindung subjektiver mit objektiven Determinanten des wirtschaftlichen
Wertes
- Ausführliche Behandlung des Zurechnungsproblems des Outputwertes auf die
Produktionsfaktoren
- Hinweise auf Grenzproduktivitätstheorie
Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914)
- Hauptwerk 1884/89
- Formulierung einer Kapital- und Zinstheorie
- Erstmalige simultane Erklärung von Produktionsstruktur, Lohn, Zins und
Output
Ludwig von Mises (1881–1973)
- Zentrale Figur der dritten Generation (Lehrstuhl blieb ihm verwehrt)
- Kompromissloser Verfechter des Liberalismus
- beträchtlichen Einfluss auf die Wirtschaftspolitik des Landes
- 1934 Übernahme einer Professur am Genfer Institut Universitaire des Hautes
Etudes Internationales
- 1940 Emigration in die USA
Oskar Morgenstern (1902–1977)
- studierte in Wien unter dem Einfluss Spanns und des Universalismus
- Wendet sich Österreichischen Schule zu und arbeitet als Assistent Mayers
- Nach Rockefeller-Stipendium habilitiert er sich mit Studie zu
Wirtschaftsprognosen (1928)
- 1931 Nachfolger Hayeks als Direktor am Konjunkturinstitut (zuvor Mitarbeiter)
- Entfernung vom Misers-Liberalismus
- Bis 1938 in Österreich, dann USA
- Gemeinsam mit John von Neumann Begründer der Spieltheorie
Friedrich August von Hayek (1899–1992)
- geschäftsführender Leiter des Österreichischen Instituts für
Konjunkturforschung ab 1931
erster Direktor des Konjunkturinstituts ab 1928
- Habilitation an der Uni Wien Ende der 1920er Jahre
- Gastvorlesung an der LSOE (1931) brachte ihm Ruf ein zur "Tooke Professur".
- Nobelpreisträger für Ökonomie 1974 für seine (gemeinsam mit Mises
verfassten) Arbeiten zur Konjunkturtheorie
Gottfried Haberler (1900–1995)
- Promotion in Wien
- Arbeitet in der Wiener Handelskammer
- Habilitation 1928
- 1931/32 Gastprofessur in Harvard
- Konjunkturstudie (Konjunkturzyklus) im Auftrag des Völkerbundes 1934–36;
veröffentlicht 1937
- Ruf auf ordentliche Professur in Harvard
- Emeritierung 1971
Fritz Machlup (1902–1977)
- Promotion in Wien
- Mehrere Studien zur Geld- und Währungspolitik
- Direktor und Gesellschafter in der österreichischen Papierindustrie
- Aufenthalt in USA durch Rockefeller-Stpendium
- Rückzug der Habilschrift, Liquidation des Firmensitzes 1935
- Gastprof in Harvard
- Ordentliche Professur an der Uni Buffalo (USA)
Richard Strigel (1891–1942)
- Landesarbeitsamt Wien (Hauptberuf)
- Habilitation in Wien 1923 und Lehre an der Uni Wien
- Ab 1931 außerordentlicher Prof an Hochschule für Welthandel
- Berichte über den Österreichischen Arbeitsmarkt für Konjunkturinstitut
- Nach Anschluss an Deutschland blieb er als einziger der Mises-Gruppe in
Österreich
- Tod nach langer Krankheit
Erich Schiff (1901–1980?)
- Mitarbeiter am Konjunkturinstitut in Anfangsphase
- Studie über Kapitalaufzehrung (1933)
- Ab 1935 Herausgeber des Allgemeinen Tarif-Anzeigers
- Emigration in USA 1938
Martha Stephanie Braun (1898–1990)
- Theorie der Staatlichen Wirtschaftspolitik (1929)
- Journalistin für Handelskammer
- Musste 1938 Österreich verlassen
- Lehrte als Martha Steffy Browne am Brooklyn College (USA)