21. April 2007: "Österreicher" treffen sich in Prag
Markus Schiml referiert auf der PCPE 2007
Die Prague Conference on Political Economy versammelte 2007 nun bereits im dritten Jahr die Freiheitsdenker der Welt, die sich auf das Gedankengut der Österreichischen Schule der Nationalökonomie um F.A. von Hayek, Ludwig von Mises oder J.A. Schumpeter und deren Nachfolger berufen. Nachdem die Universität Bayreuth im letzten Jahr noch drei Vertreter entsendete, war es in diesem Jahr aufgrund von Termingründen nur Dipl.-Volkswirt Markus Schiml, der die Reise an die Moldau antrat und der Einladung folgte zum Thema „Alternative Money Experiments and Current Approaches to Reform – A Chance for a Austro-Liberal Synthesis“ referierte. Nachdem Schiml im letzten Jahr bereits mehrmals zu Gastvorträgen nach Reutlingen, Hamburg, und jüngst nach Regensburg eingeladen wurde und einen freiheitlichen Ansatz im Diskurs der Geldsystemkritiker befürwortet, wurde er auch nach Prag in das europäische Zentrum der „(Neo-)Austrians“ eingeladen, wo er erwartungsgemäß weniger kontroverse Punkte diskutieren musste.
In der Tat war das Auditorium von den Entwicklungen äußerst überrascht, die Schiml gerade für die in Mode gekommenen basisdemokratische Konkurrenz der staatlichen Währungen, wie Regionalwährungen, Tauschringe, Barterclubs oder der Trend zur physischen Anlage in Rohstoffen wie Gold, Silber oder Industriemetalle aufzeigte. So macht er zwei größere wissenschaftliche Strömungen der Geldsystemkritik aus, welche gerade in der Praxis Verwendung finden. Einerseits berufen sich Praktiker auf das liberale Gedankengut der Österreichischen Nationalökonomie, andererseits wird die Zinskritik von Silvio Gesell wieder zum Leben erweckt, wobei Verbindungen zu Rudolf Steiner hergestellt werden. Während die „Austrians“ über einen neuen Goldstandard, ein Fractional-Reserve-Banking oder einen Wettbewerb der Währungen diskutieren, können auf der anderen Seite für Deutschland ca. 62 Regionalwährungen und über 200 Tauschringe beobachtet werden. Und auch weltweit macht das Phänomen mit über 4200 Komplementärwährungen, v.a. in Japan, Deutschland, den Vereinigten Staaten und Kanada von sich reden. Schiml zeigte in seinem Vortrag die historischen und wissenschaftlichen Wurzeln der beiden Richtungen auf, informierte über die Motive und Argumente der Initiatoren und Wissenschaftler, mit denen er zum Teil in persönlichem Kontakt steht und schloss mit einem freiheitlichen Synthesevorschlag in Anlehnung an Sennholz’ (1985; „Money and Freedom“), wobei er auf seine eigene Referenzbasis, einer Mischung aus Kritischem Rationalismus, Konstruktivismus und wissenschaftstheoretischen Ansätzen um Kuhn (1967) und Feyerabend (1986) zurückgriff, die er vorher begründete. In der langen, sich anschließenden Diskussion, zeigte sich, dass das Interesse an der Thematik geweckt wurde und neben interessierten Fragen über dieses doch ungewöhnliche Thema, gesellten sich konstruktive Anmerkungen zur Erweiterung der Theorie.
Neben den verschiedenen Sessions wie „Economics and the Law“, „Money and Finance“, „Reforms and Development“, „Economic Theory“ oder „Political Economy“ überzeugte auch das gut organisierte Rahmenprogramm und die großzügige Verpflegung der über 100 Teilnehmer. Alles in allem eine gelungene Konferenz, auf der man sich mit Ökonomen aus Südamerika genauso offen austauschen kann, wie mit Kollegen aus Spanien, Tschechien, Polen, Rumänien, Ägypten oder den Vereinigten Staaten. Allerdings waren nicht allen geladenen Referenten klar, in welchem ökonomischen Fahrwasser sie sich befinden, wodurch die ein- oder andere kuriose Situation entstand. Beispielsweise als der Ansatz rationaler Erwartungen zu Grunde gelegt wurde und die Diskussionsleiter bei verhärteten Fronten eingreifen mussten. Nichtsdestotrotz wurde der liberale Charakter der Veranstaltung auch zwischen den Sessions in interessanten Fachgesprächen deutlich und die Universität Hamburg präsentierte sich mit den meisten deutschen Teilnehmern als liberale Bastille. Einen Ehrenpreis erhielt der unter deutschen Freiheitsdenkern bekannte Philipp Bagus aus Madrid.
Details zur Konferenz finden Sie hier: http://pcpe.libinst.cz/pcpe07/