09.12.2008:Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender im Ludwig-von-Mises-Forum
„Ein Markt für Organe“
Großes Interesse fand der Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Oberender an der Universität Bayreuth zum Thema „Ein Markt für Organe“ zu dem rund 100 Studenten, Universitätsangehörige und Externe erschienen waren.
Die zahlreichen Gäste wurden von Markus H. Schiml vom Ludwig-von-Mises-Forum begrüßt, der auf die Ziele des Forums sowie die Erfolge seit der Gründung im Mai 2006 hinwies. Vor allem zeigt er nochmals die Abgrenzung der Methodologie der Österreichischen Schule zum ökonomischen Mainstream auf und wies vor allem auf die seit der jüngsten Bankenkrise immer intensivere Auseinandersetzung mit der Konjunkturtheorie der Austrians. Danach zeigte er den Zuhörern den Einfluss Prof. Oberenders auf das Forum auf, ehe er auf die Problematik des Organhandels in der öffentlichen Diskussion einging. Vor allem sterben jährlich in Europa jährlich 6.000 Menschen, da sie nicht rechtzeitig ein Spenderorgan erhalten. Für Deutschland sind dies etwa 1.100 p.a.
Oberender analysierte in seinem Vortrag den Organmarkt, indem er systematisch die Angebots- und Nachfragesituation verdeutlichte.
Zunächst wies er darauf hin, dass im Iran und in Indien der Verkauf von Organen erlaubt sei und in Singapur vor der Legalisierung stehe. Beispielsweise wird für eine Niere im Iran 1.177 USD bezahlt, was in US-amerikanischer Kaufkraft etwa 17.655 USD bedeute. Das Problem ist, dass sich dies dennoch in großen Bereichen in grauen Märkten abspiele und 30 bis 80 Prozent der Spender an der mangelnden Nachsorge sterben. Die Nachfrage nach Organen wird Prognosen zu Folge aber durch die Zunahme von Zivilisationskrankheiten in der Zukunft noch deutlich zunehmen.
Beim Angebot bestehe die Möglichkeit über Spender, Industrie (Kunstorgane) oder Tiere (Xenoplantate) Abhilfe zu schaffen. Am Besten geeignet seien aber immer noch Spenderorgane. Zusammenfassend stellte er fest, dass einer steigenden Nachfrage kein angemessenes Angebot gegenüber stehe.
Bei der Rationierung besteht aktuell in erster Linie die Warteschlange mit Ausnahmen bei der Dringlichkeit von erkrankten Patienten. Theoretisch wäre auch das Losverfahren denkbar. Und natürlich auch der viel diskutierte Markt. Da dieser in der Praxis aber in Europa und den USA verboten sei kommt es natürlicherweise, zu Schwarzmärkten mit negativen Konsequenzen bei der Nachversorgung.
Weiterhin zeigte Oberender auch die groteske Situation, dass es für Blut oder andere Körperteile (Knochen und Hornhäute) bereits einen Markt mit öffentlich einsehbaren Marktpreisen gebe, was in der öffentlichen Diskussion immer unberücksichtigt bleibe. So werde für ein Schienbein 950 €, für eine Achilles-Verse 800 €, für eine Kniescheibe 1.000 € oder für eine Augen-Hornhaut 1.479 € bezahlt. Und in Spanien gibt es deutlich mehr Spender als in Deutschland, da es dort „finanzielle Anreize“, also Märkte, für die entnehmenden Krankenhäuser gebe.
Er plädierte schließlich, um der Knappheit beizukommen für einen transparenten und strikt regulierten Markt für Organe, der unter freiheitlichen Gesichtspunkten die beste Form einer Rationierung bewerkstelligen könne und für alle Beteiligte eine Verbesserung der gegenwärtigen Situation bringen würde. Vor allem kann dem sich heute etablierten Schwarzmarkt am ehesten beigekommen werden und eine optimale Nachversorgung von Spender und Empfänger gewährleistet werden und somit die Qualität erhöhen. Ergänzend wies er auf die zusätzliche Berücksichtigung ökonomisch Schwacher hin, deren Interessen wegen deren mangelnden Kaufkraft berücksichtigt werden müssen.
Neben dem Leid, das sich mit seinem Vorschlag reduzieren würde, wies Oberender auch auf die monetäre Dimension seines Vorschlages hin. So gäbe es ca. 100.000 Dialysepatienten in Deutschland, die jährlich jeweils 60.000 € an Behandlungskosten verursachen. Bei OP-Kosten von 40.000 €, Organkosten von 60.000 € sowie unter Berücksichtigung von Versicherungskosten, Nachsorgekosten und weiteren Aufwendungen sollte sich dies sehr schnell auch für das Gesundheitssystem auszahlen.
Natürlich zeigte sich Oberender auch als Realist, dass dies wohl noch einige Zeit dauern würde, der Einsatz dafür aus seiner Sicht aber fruchtbar sein werde. Er wies vor dem Hintergrund der Anfeindungen seiner Person ausdrücklich auf seine christlichen Wurzeln hin und dass sein Vorschlag eben das Leiden vieler Patienten deutlich verringern könnte.
In der abschließenden Diskussion wurden kontroverse Standpunkte diskutiert. Dabei blieben – für dieses Thema traditionell an der Tagesordnung stehend - emotionale Auseinandersetzungen überraschend aus. Vielmehr diskutierte man über spezielle Probleme und mögliche weitergehende anreizökonomische Aspekte des Ansatzes von Oberender. Dabei betonte Oberender, dass natürlich noch viele Detailfragen Berücksichtigung finden müssen, die in der Kürze nicht angesprochen werden konnten. So verwies er auf die Möglichkeit einer Versicherungspflicht des Empfängers für den Spender im Falle einer späteren Folgeerkrankung, ein geprüftes und kontrolliertes Qualitäts- und Entnahmeverfahren, die Unabhängigkeit der Ärzte bei Entnahme und Wiedereinsetzung sowie auf ein akkreditiertes Maklerverfahren mit einer Herkunftshaftung für das betreffende Organ.
Markus H. Schiml vom Ludwig-von-Mises-Forum überreicht Prof. Dr.Dr. h.c. Peter Oberender nach seinem Votrag Präsent.
Als Dank für den Vortrag und die große Unterstützung übereichte Markus H. Schiml an Prof Oberender ein historisches Lehrbuch von Eugen von Philippovich aus dem Jahre 1921, einem der Vertreter der Österreichischen Schule der zweiten Generation und wies darauf hin, dass es noch zwei weitere Bände gebe, um die man sich für weitere Vorträge von Prof. Oberender im Ludwig-von-Mises-Forum sehr gerne bemühen werde.